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Mikrofinanz als Geldanlage

Stört es Dich auch, dass es auf unserem Globus ein starkes ökonomisches Gefälle vom reichen Norden hin zum ärmeren Süden gibt? Dagegen kannst Du etwas tun – mit der richtigen Geldanlage! Ein gute Möglichkeit für mehr Chancengleichheit zu sorgen, ist eine Investment im Bereich Mikrofinanz. Toller Nebeneffekt: In Deinem Anlage-Portfolio können Mikrofinanzfonds als Sicherheits-Baustein dienen.

Als Instrument der Entwicklungspolitik umfasst Mikrofinanz neben Mikrokrediten auch den Zugang zu Sparkonten, Versicherungsleistungen sowie bargeldlosen Bezahl- und Überweisungsmöglichkeiten per Mobiltelefon. Die Angebote richten sich dabei an Menschen, die wegen fehlender Sicherheiten von regulären Banken und Versicherungen als Kunden abgelehnt werden.

Aus Investorensicht sind zurzeit vor allen Dingen die Mikrokredite interessant.

Was sind Mikrokredite?

Mikrokredite werden häufig von Kleinstunternehmern*innen, viele davon Frauen, in Anspruch genommen. Im Gegensatz zu traditionellen Banken können Mikrofinanzinstitute, trotz fehlender physischer Sicherheiten, diesen Kund*innen Geld leihen. Das wird unter anderem möglich, weil für die Kreditentscheidung die erwartete Ertragskraft des Unternehmens zugrunde gelegt wird. So entfallen aufwendige Prüfungen der Bilanzen, die viele Kleinstunternehmer*innen gar nicht vorweisen können. Gruppenbürgschaften und zusätzliche Anreize wie Bewährungskredite und Bonussysteme sorgen für hohe Rückzahlungsquoten von häufig über 90 Prozent. Das ist auch im Vergleich zu herkömmlichen Krediten ein guter Wert.

Das macht Mikrokredite in Kombination mit der extrem breiten Streuung zu relativ sicheren Investments, die sogar von Finanzberatern als Sicherheitsbaustein empfohlen werden.

Marktentwicklung Mikrofinanz

Muhammad Yunus
Mikrokredit-Pionier Muhammad Yunus wurde 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet
Mikrokredite in ihrer heutigen Form entstanden in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Einer der Vorreiter war Muhammad Yunus, der 1976 die Grameen Bank in Bangladesh gründete. Wichtiges Ziel war die Bekämpfung von Armut durch wirtschaftliche Entwicklung. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts entdecken auch immer mehr kommerzielle Investoren Mikrofinanz als Geschäftsmodell. 2005 wurde durch die UN-Generalversammlung zum Internationalen Jahr des Mikrokredits erklärt und 2006 erhielt Muhammad Yunus den Friedensnobelpreis für sein Bemühen mit der Grameen Bank eine ökonomisch und soziale Entwicklung von unten zu bewirken.

Laut Microfinance Barometer 2019 profitierten im Jahr 2018 139,9 Millionen Kreditnehmer von den Dienstleistungen der Mikrofinanzinstitute, gegenüber nur 98 Millionen im Jahr 2009. Von diesen 139,9 Millionen Kreditnehmern sind 80 Prozent Frauen und 65 Prozent gehören zur ländlichen Bevölkerung. Diese Anteile sind in den letzten zehn Jahren, trotz der Zunahme der Anzahl der Kreditnehmer, stabil geblieben.

Die Kommerzialisierung von Mikrokrediten bewirkt zwar eine breitere Verfügbarkeit von Mikrokrediten, wird aber auch kritisch betrachtet. So gibt es zum Beispiel die Befürchtung, dass durch das Gewinnstreben der Anleger die soziale Wirkung zu sehr in den Hintergrund rückt.

Wie sozial sind Mikrokredite?

Den Unternehmer*innen ermöglichen diese Kleinstkredite häufig überhaupt erst den Aufbau eines erfolgreichen Geschäfts. Sie stärken außerdem die Position der Frauen, indem Sie ihnen eine finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen.

Kritisch werden die vergleichsweise hohen Kreditzinsen betrachtet, die sich in etwa auf dem Niveau hiesiger Dispokredite bewegen. Die Ursache dieser Gebühren liegt unter anderem im verhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand in Bezug auf die geringen Kreditsummen. Mikrokredite sind aber immer noch wesentlich günstiger als das, was lokale Geldverleiher (Wucherer) für ihre Leistungen verlangen. Betrachtet man zudem die absoluten Zahlen, handelt es sich, bedingt durch die geringe Kreditsumme, um überschaubare Gebühren, die von den Unternehmern*innen bezahlt werden können. Gut einem Drittel der Mikrofinanz-Kreditnehmer*Innen soll es durch diese Geldmittel gelingen, ihren Wohlstand dauerhaft zu erhöhen.

Investieren kannst Du in diese sichere und sozial nachhaltige Geldanlage über Mikrofinanzfonds und ähnliche Angebote

Investitionsmöglichkeiten

Mikrofinanzfonds

Mit dem Kapital der Anleger ermöglichen es Mikrofinanzfonds spezialisierten Finanzinstituten Kleinstkredite zu vergeben. Hiervon profitieren insbesondere Kleinstunternehmer*innen, die sich damit eine Existenz aufbauen oder sichern können. Als Anleger kannst Du mit einer durchschnittlichen Rendite von ein bis zwei Prozent rechnen.

Laut nachhaltiges-investment.org sind aktuell (Stand Juli 2019) vier nachhaltige Mikrofinanzfonds in Deutschland zugelassen

Fonds Rendite im letzten Jahr Rendite der letzten 5 Jahre
BlueOrchard Microfinance Fund 1,87 % 9,26 %
GLS AI - Mikrofinanzfonds 1,09 % k.A.
Invest in Visions Microfinance (R) 1,03 % 9,97 %
KCD-Mikrofinanzfonds - III 1,87 % k.A.

Oikocredit

Oikocredit ist eine Genossenschaft, die über eine treuhänderische Beteiligung der Anleger (Mitglieder) Kredite und Kapitalbeteiligungen an Mikrofinanzinstitutionen, Genossenschaften und soziale Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern vergibt. Damit soll die Entwicklung unterstützt, Arbeitsplätze geschaffen, der Faire Handel gefördert und ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen erreicht werden.

Oikocredit zahlt eine erfolgsabhängige Dividende, die auf maximal zwei Prozent begrenzt ist und nicht garantiert wird. Die Mindestanlage beträgt 200 Euro. Das entspricht einem Genossenschaftsanteil. Um investieren zu können musst Du zunächst Mitglied in einem der regionalen Förderkreise werden.

Kiva.org

Kiva ist eine US-amerikanische wohltätige Organisation, die Mikrokredite an Menschen in ärmeren Ländern vergibt. Das Besondere ist, dass Du hier selbst entscheiden kannst, welche*n Unternehmer*in Deine Unterstützung zukommt.

Schon ab 25 US-Dollar kannst Du einsteigen. Das Geld erhältst Du innerhalb weniger Monate zurück. Es handelt sich hierbei nicht um eine klassische Geldanlage, da die Investoren keine Zinsen erhalten. Dadurch sind Kiva-Kredite aber auch häufig etwas günstiger als andere Mikrokredite. Investieren kannst direkt über kiva.org. Eine Nutzungshilfe für diese englischsprachige Webseite stellt Kiva Deutschland hier zur Verfügung.

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