Was haben Stromnetze mit nachhaltigem Investieren zu tun?

Was haben Stromnetze mit nachhaltigem Investieren zu tun?

Mehr als man denkt. Denn die im Aktionsplan Stromnetz verborgenen Akzente entscheiden maßgeblich, für welche Art von "Energiewende" die Stromnetze ausgelegt werden. Bei einem ausreichend schnellen Kohleausstieg und einem gleichbleibenden Atomausstieg bräuchten wir andere Stromnetze als diejenigen, für die Energieminister Altmaier wirbt. Wir bräuchten mehr dezentral erzeugte und teilweise gespeicherte erneuerbare Energie; ihr Zubau müsste beschleunigt werden – insbesondere im Süden des Landes.

Gestaltungs-Spielräume für Nachhaltigkeit wichtig

Die Antwort: Je mehr auf dezentrale erneuerbare Energien gesetzt wird, desto mehr finanzielle Beteiligungs- möglichkeiten haben Bürgerinnen und Bürger. Der politische Rahmen und die Impulse durch Investitionen gehen immer Hand in Hand, wenn wir im großen Stil Dinge verändern wollen. Und genau dies ist notwendig, wie uns nicht zuletzt die Hitze eindrucksvoll vor Augen geführt hat.

Wie wäre das Stromnetz denn nun wirklich zukunftsfähig?

In unserem Video zeigen wir einen verbalen Schlagabtausch zwischen Energieminister Peter Altmaier und dem Grünen-Politiker Hans-Josef Fell zum Thema Netzausbau. Die Rede hatten wir bei dem BEE-Neujahrsempfang im Februar und die Reaktion darauf im Nachhinein gefilmt. Beide wollen Stromnetze, aber nicht die gleichen.

Fehlinvestition: Platz für Kohlestrom in neuen Stromleitungen

Wenn Stromleitungen überdimensioniert sind, sodass sie Platz für Kohlestrom einplanen, dann ist dies eine bittere Fehlinvestition, deren Kosten wir Bürgerinnen und Bürger bezahlen und die in garantierte Renditen der Netzbetreiber münden. Die Überdimensionierung selbst ist eine zutiefst un-nachhaltige Investition, da sie keinen Klimaschutz, sondern dessen Gegenteil einplant.

Was genau ist überdimensioniert?

Die von Norddeutschland nach Süddeutschland geplante Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitung (HGÜ) "SuedLink" wurde vom Hessische Fernsehen analysiert. Anhand der Daten der Netzbetreiber wurde die Planung für das Jahr 2024 betrachtet. Demnach würden dann 53 Terawattstunden (TWh) regenerative Energien aus dem Norden im Süden auf einen Strombedarf von 125 TWh treffen. Davon wurde bereits der gemäß der Planungszahlen im Süden gewonnene erneuerbare Strom abgezogen. Was sagt uns die Differenz?

"Selbst wenn man allen überschüssigen regenerativen Strom nach Süden schickt, fehlen dort immer noch rund 72 TWh Strom. Damit SuedLink rentabel ist, muss auch konventionell erzeugter Kohlestrom aus dem Norden in den Süden geleitet werden."

Diese kleine Rechnung zeigt eindrücklich, dass insbesondere im Süden ein massiver Zubau erneuerbarer Energien erforderlich ist. Würde 2024 kein Kohlestrom durch SuedLink fließen, wer käme dann für die fehlenden Einnahmen der Netzbetreiber auf?

Aktionsplan Stromnetz ist nicht alternativlos

Natürlich gibt es nicht nur eine einzige vorstellbare Zukunft. Aktuell hat das Öko-Institut im Rahmen des Projektes "Transparenz Stromnetze" gleich mehrere Szenarien durchgerechnet:

  • Verzicht auf die HGÜ-Leitung „Südostlink"
  • zügiger Kohleausstieg
  • „Dezentrale Energiewende" in zwei Varianten
  • „85 % Strom aus erneuerbaren Energien"

Die Ergebnisse finden Sie auf www.transparenz-stromnetze.de.

Klar ist auch, dass es durchaus sinnvolle Verbesserungen des Stromnetzes gibt, was folgendes Beispiel verdeutlicht: Bei Netzengpässen müssen manchmal Windkraftanlagen und konventionelle Kraftwerke gedrosselt werden bzw. konventionelle Kraftwerke mehr Leistung erbringen. Dafür fallen Kosten an. Die Anzahl derartiger Noteingriffe ist deutlich gesunken.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

Kommentare (1)

  • Nico

    Nico

    29 August 2018 um 12:25 | #

    Vielleicht mal als Gedankenanstoß:
    Man sollte in der Betrachtung nicht nur auf das Jahr 2024 schauen, wenn die Trasse in Betrieb gehen soll, sondern etwas zukunftsorientierter in die Jahre und Jahrzehnte danach. Denn erst dann wird die Übertragung von Strom von Norden nach Süden immer wichtiger und mit den Jahren steigt auch automatisch der Anteil regenerativer Energien im Stromnetz. Bis irgendwann entsprechend der politischen Ziele die Stromerzeugung vollständig umgestellt ist und dann wird auch durch Südlink nur grüner Strom fließen.

    Man baut doch eine neue Stromleitung quer durch das Land nicht für ein bestimmtes Jahr, sondern für folgende Jahrzehnte. Warum fehlt diese simple Weitsicht in diesem Beitrag komplett?

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