Kehrseite von ESG: Gemiedene Unternehmen landen häufiger bei Private-Equity-Investoren

Stand: Oktober 2026

Nachhaltige Fonds legen ihr Geld nach ESG-Kriterien an, also nach Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien. Das verändert, wem börsennotierte Unternehmen gehören. Eine neue Studie mit Beteiligung der Universität Augsburg hat untersucht, welche Folgen das für die Aktionärsstruktur hat und wie oft Unternehmen deshalb von der Börse verschwinden.

Die Forscher haben dafür Daten von 24.788 Fonds mit zusammen rund 24 Billionen US-Dollar Anlagevermögen und von 5.699 Aktien ausgewertet. Ihr Ergebnis: Die Aktien, die ESG-Investoren meiden, kaufen vor allem konventionelle Fonds und Investmentgesellschaften wie Private-Equity-Fonds.

Unternehmen mit wenigen ESG-Investoren unter den Aktionären werden außerdem häufiger von der Börse genommen, besonders durch Übernahmen von Private-Equity-Gesellschaften. Die Autoren sprechen von unbeabsichtigten Folgen, wenn Kapital nach ESG-Kriterien gelenkt wird.

Was heißt das für Dich? Ob Unternehmen durch ESG-Investoren nachhaltiger wirtschaften, untersucht die Studie nicht.

Sie zeigt aber: Wenn nachhaltige Anleger eine Aktie meiden, verschwindet das Unternehmen eher von der Börse. Dadurch bekommt es andere Eigentümer.

Dieser statistische Zusammenhang kann als Schutz eines Unternehmens vor Übernahmen durch Private Equity angesehen werden. Was die Übernahme jedoch für das Unternehmen bedeutet, hängt von der Strategie der Investoren ab. Es muss nicht negativ für das Unternehmen sein.

Weitere Informationen dazu, wie Ausschlüsse, Divestment und aktives Aktionärsengagement wirken, findest Du in unserer Übersicht zu den Impact-Mechanismen und auf unserer Seite zum Divestment.

Originaltitel: „The shadow of ESG: how sustainable investing affects stock ownership and delisting“, Kevin Birk, Stefan Jacob, Marco Wilkens, erschienen in der Fachzeitschrift Journal of Asset Management (Open Access). Beteiligt ist Prof. Dr. Marco Wilkens (Universität Augsburg).

Quelle: Forschung Sustainable Finance, 26.10.2026