Wo Anlegergeld am meisten bewirkt: Hamburger Studie wertet 52 Untersuchungen aus

Stand: Oktober 2026

Kann ich als Anleger mit meinem Geld wirklich etwas verändern – und wenn ja, wie? Ein Team um Prof. Dr. Timo Busch von der Universität Hamburg hat dazu 52 Studien und Fachberichte ausgewertet. Das Ergebnis: Es kommt weniger darauf an, was ein Anleger tut, sondern wo und unter welchen Bedingungen.

Drei Wege, wie Anleger wirken können

  • Mitreden: Gespräche mit der Unternehmensführung und Abstimmungen auf der Hauptversammlung. Dazu zählt auch, Unternehmen mit Wissen und Kontakten zu unterstützen.
  • Geld geben – oder verweigern: Wer einem Unternehmen neues Kapital bereitstellt oder zu besseren Bedingungen leiht, kann sein Wachstum ermöglichen. Wer nachhaltige Unternehmen finanziert und andere meidet, kann deren Finanzierungskosten beeinflussen.
  • Den Markt verändern: öffentlich loben oder kritisieren, Vorbild für andere Anleger sein, sich für bessere Regeln und Standards einsetzen.

Wo die Wirkung am größten ist

Die Forschenden bewerten jeden Weg danach, wie wahrscheinlich ein Anleger damit etwas verändert und wie groß die Veränderung ausfällt. Daraus ergibt sich ein klares Bild:

  • Hoch ist die Wirkung, wenn frisches Geld dorthin fließt, wo es sonst fehlen würde – etwa in junge Unternehmen, Projekte in schwach versorgten Märkten oder bei Neuausgaben. Hoch ist sie auch, wenn ein großer Anteilseigner direkt mit der Unternehmensführung spricht.
  • Mittel ist sie, wenn sich viele kleine Anleger zusammentun und gemeinsam abstimmen oder Druck machen.
  • Gering ist sie, wenn ein einzelner kleiner Anleger an der Börse Aktien kauft oder verkauft. Das Geld geht dann an andere Anleger, nicht an das Unternehmen, und der Kurs bewegt sich dadurch kaum. Ob Käufe und Verkäufe an der Börse überhaupt Wirkung haben, ist laut Studie noch ungeklärt. Auch Lobbyarbeit und öffentliche Kampagnen wirken eher langfristig und indirekt.

Die Studie weist außerdem darauf hin, dass die EU nachbessern will: Im Vorschlag der Kommission zur Überarbeitung der Offenlegungsverordnung vom November 2025 wird Impact Investing erstmals als eigene Anlageform mit eigenen Berichtspflichten anerkannt. Beschlossen ist das noch nicht.

Was heißt das für Dich als Anleger? Wenn Du mit Deinem Geld etwas bewirken willst, zählt vor allem, ob es neu und direkt bei einem Projekt oder Unternehmen ankommt. Das ist bei Direktbeteiligungen, Crowdinvesting oder Genossenschaftsanteilen eher der Fall als beim Kauf von Aktien oder ETFs an der Börse – allerdings mit höherem Risiko bis zum Totalverlust. Bei Fonds lohnt die Frage, ob sich der Anbieter mit anderen Investoren zusammenschließt und auf Hauptversammlungen abstimmt. Mehr dazu: Wie Geldanlagen wirken.

Quelle: Busch, T., Bernard-Rau, B., Prüßner, E. & Freiling, J. (2026): Impact investing: a literature review of investor impact mechanisms and their impact potential. Management Review Quarterly (frei zugänglich). doi.org/10.1007/s11301-026-00640-x