Die ökologischen Kriterien zeigen, welche Investments eine enkeltaugliche Wirtschaft unterstützen und unsere natürlichen Lebensgrundlagen nur in dem Maße beanspruchen, wie diese sich regenerieren können. Diese sogenannten planetaren Grenzen zu achten heißt: Keinen Raubbau an der Natur, minimaler Ausstoß schädlicher Emissionen oder Schadstoffe.
Agrarchemikalien
Mittel gegen Unkräuter (Pestizide), Pilze (Fungizide) oder schädliche Insekten (Herbizide, Biozide) werden in der konventionellen Landwirtschaft genutzt, um kurzfristig maximale Erträge zu erwirtschaften. Durch diese Gifte leidet allerdings das gesamte betroffene Ökosystem – inklusive der Nützlinge. Langfristig gesehen hat der Einsatz der Agrarchemikalien daher durchaus einen negativen Effekt: Die Landwirtschaft wird dann mehr und mehr abhängig von den Chemikalien. Nachhaltige Investments legen aus diesem Grund einen Fokus auf ökologische Landwirtschaft und schließen Unternehmen, die Agrarchemikalien herstellen oder mit diesen handeln, aus.
Atomkraftwerke betreiben oder unterstützen
Obwohl relativ treibhausgasneutral (der Bau eines Atomkraftwerk und Transport von Uran geht mit starken Emissionen einher), sind Atomkraftwerke weiterhin gefährlich für die Umwelt und zudem ziemlich teuer. Die Versprechen einer sicheren Reaktortechnik und sicheren Endlagerlösung wurden nicht eingehalten. Dementsprechend meiden nachhaltige Investments Unternehmen, die Atomkraftwerke besitzen oder betreiben. Auch Firmen, die ihren Umsatz zu mehr als X% als Zulieferer (etwa durch den Verkauf von Pumpen) oder durch den Verkauf von Atomstrom generieren, werden ausgeschlossen. Um Atomkraft nicht indirekt zu finanzieren, ist auch der Abbau von Uran durch dieses Kriterium (sowie dem KO-Kriterium “Fossile Energieträger gewinnen”) von einer Finanzierung ausgeschlossen.
Bergbaugroßprojekte initiieren oder unterstützen
Große Minenprojekte führen oft zur Vertreibung der Menschen die im Abbaugebiet leben. Gleichzeitig ist der ökologische Schaden immens: Oberflächennaher Abbau führt zu riesigen Narben in der Landschaft. Unterirdischer Abbau erfordert in der Regel ein künstliches Absenken des Grundwasserspiegels. Bei beiden Arten Bergbauprodukte zu fördern, fallen riesige Mengen von Abraum an, welche oftmals Schwermetalle enthalten die bei Kontakt mit dem Sauerstoff der Umgebungsluft oxidieren und damit mobil und bioverfügbar werden. Gleichzeitig enthält der Abraum und bei oberflächennahem Abbau die verbleibende Erdschicht keinerlei Humus. Zurück bleiben dementsprechend auf lange Zeit unfruchtbare Böden, die nur sehr langsam von der Natur zurückerobert werden.
Chlor- und Agrochemie (Biozide)
Chlororganische Produkte gehören zu den Verbindungen, die nur äußerst selten in der Natur vorkommen und dementsprechend kaum abbaubar sind. Verbindungen dieser Art werden oft zur Schädlingsbekämpfung oder als Flammschutzmittel benutzt. Da diese Verbindungen nicht nur kaum natürlich abgebaut werden, sondern sich aufgrund ihrer Fettlöslichkeit auch im Fettgewerbe von Mensch und Tier anreichern, verzichten grüne Investments in der Regel auf Investitionen in Unternehmen welche chlororganische Massenprodukte herstellen oder damit in größerem Maße (< 20 % des Umsatzes) handeln.
Erneuerbare Energien
“Energiewende” ist inzwischen auch im englischen Sprachraum ein bekannter Begriff. Doch obwohl Deutschland als “Energiewende-Musterland” gilt: Der Ausbau erneuerbarer Energien verlief in den letzten Jahren schleppend. Wer Geld anlegen möchte und gleichzeitig den Ausbau erneuerbarer Energien fördern will, kann dies mit nachhaltigen Investments tun. Dabei nicht vergessen: Erneuerbare Energie umfasst auch die Wärmeenergie! Denn während die Stromerzeugung in Deutschland mehr und mehr durch Sonne und Wind abgedeckt werden kann, ist der Anteil der Erneuerbaren im Wärmesektor noch sehr überschaubar. Das können umweltbewusste Anleger ändern.
Fossile Brennstoffe
Das Gewinnen von fossilen Energieträgern ist nicht nur die Basis für eine umweltzerstörerische Energieerzeugung, auch der Abbau selbst hinterlässt enorme Schäden. Der Abraum beim Abbau von etwa Kohle und Uran umfasst Unmengen ungenutztes Erd- und Steinmaterial. Meist wird es einfach aufgeschüttet. Wenn dann die Mineralien aus den Tiefen der Erde mit dem Sauerstoff der Umgebungsluft reagieren, können sich dabei bioverfügbare Schwermetalle bilden. Bioverfügbar heißt, dass diese vorher gebundenen Schwermetalle wasserlöslich vorliegen und durch Mensch und Tier aufgenommen werden können.
Grüne Gentechnik
Die Langzeitfolgen des Anbaus und Verzehrs von gentechnisch veränderten Pflanzen sind unklar. Sicher lässt sich jedoch bereits jetzt sagen: Pflanzen, die so verändert wurden, dass sie herbizidresistent sind, stehen für eine intensive Landwirtschaft, welche mit großen Dosen verschiedenster Agrarchemikalien kurzfristig Maximalerträge zu erreichen versucht. Dieser Landwirtschaftsansatz ist zu Recht höchst umstritten und wird daher aus nachhaltigen Investments ausgeschlossen.
Intensive Fischerei
Eine stark profitorientierte Fischerei führt zu großen Schäden in den Meeren. Betroffen sind nicht nur die Fischbestände selbst, sondern auch andere Meereslebewesen, von kleineren Fischen bis hin zu großen Meeressäugern, die als “Beifang” verenden. Auch der Meeresboden und die entsprechenden Lebensräume können beispielsweise durch Grundschleppnetze zerstört werden. Doch es gibt Lösungen: Nachhaltige Fischerei verzichtet auf bestimmte Fangmethoden und arbeitet teilweise mit Siegeln um den Konsum von umweltschonendem Fisch zu ermöglichen. Auch Aquafarming kann unter bestimmten Umständen, etwa wenn der Zuchtfisch nicht mit Fangfisch gefüttert werden muss, eine Lösung sein, um Fischprodukte bereit zu stellen, ohne die Weltmeere leer zu fischen und anderweitig zu zerstören.
Intensive Landwirtschaft
Wenn konventionelle Landwirtschaft intensiviert wird, geht das in der Regel mit einer großen Konzentration von Stoffströmen und großen Profiterwartungen einher. Der Grund: Skalierung lässt die Stückkosten sinken. Werden mehr Tiere an einem Platz gehalten, ist das Aufziehen pro Tier günstiger. Die gleichen Effekte gibt es, wenn die Felder vergrößert werden oder große Landwirtschaftsunternehmen kleinere übernehmen. All diese Prozesse führen kaum zu einer Etablierung einer nachhaltigen Landwirtschaft – dementsprechend wird diese Form der Nahrungsmittelproduktion nicht von grünen Fonds finanziert.
Kohlekraftwerke betreiben oder unterstützen
Sämtliche konventionelle Kraftwerke, die Kohle als Primärenergieträger nutzen (mehr als 80 %), werden von nachhaltigen Portfolios ausgeschlossen. Dies umfasst sowohl die Nutzung von Stein- als auch von Braunkohle. Schließlich werden durch die Verfeuerung pro erzeugter Energieeinheit weitaus mehr Treibhausgase erzeugt, als durch das Verfeuern anderer fossiler Rohstoffe (etwa Gas) – regenerative Energiequellen sind in Bezug auf Treibhausgase jedem fossilen Pendant vorzuziehen.
Massentierhaltung
Werden Tiere in großer Anzahl auf kleinstem Raum gehalten, geht es nicht nur den Tieren schlecht. Gülle fällt dann oft derart konzentriert an einem Ort an, dass diese Menge nicht mehr durch die örtliche Landwirtschaft verwertet werden kann. Die Gülle dann in Biogasanlagen zu verwerten ist zwar prinzipiell möglich, doch auch dann bleibt ein schwer verwertbarer Rest. Wird zu viel der Tierfäkalien auf die Felder verspritzt, gelangen diese in das Grundwasser, wodurch die Kosten der Wasseraufbereitung steigen. Massentierhaltung führt zudem oftmals zu einer massiven Anwendung von Medikamenten wie Antibiotika und entsprechenden Negativfolgen für die Konsumenten.
Minimierung des Ressourcenbedarfs
Um innerhalb der ökologischen Belastungsgrenzen zu wirtschaften, wurden von dem Wissenschaftler Rockström und seinen schwedischen Kollegen neun “Planetarische Leitplanken” definiert. Diese Leitplanken sind jedoch bereits vielfach überschritten. Lange Zeit galten effizientere Technologien als das Heilmittel, um sich wieder innerhalb dieser Leitplanken zu bewegen. Allerdings fressen Mehrkonsum und Bevölkerungswachstum die Effizienzgewinne häufig auf, teilweise werden sie gar überkompensiert. Entscheidend ist die absolute Summe der Nutzung begrenzter Ressourcen.
Manche Pionierunternehmen allerdings ermöglichen eine Wirtschaftsweise, die nicht nur effizienter als die ihrer Marktteilnehmer ist, sondern auch in absoluten Verbrauchszahlen besser da stehen. Diese Unternehmen setzen etwa auf die Produktion von besonders haltbaren Produkten, bieten Sharing-Dienstleistungen an, reparieren oder produzieren Upcycling-Produkte. Diese Pionierunternehmen sind in besonderem Maße für nachhaltige Investitionen geeignet.
Mobilität
Wie wir uns in Zukunft fortbewegen interessiert und bewegt Städter in überfüllten, lauten Innenstädten, genauso wie Landbewohner die auf Busse angewiesen sind, die immer seltener fahren. Die Frage nach dem Antrieb der Zukunft treibt Politik und Industrie gleichermaßen um. Wer die Mobilität der Zukunft mitfinanzieren möchte, sollte allerdings nicht bei Elektromobilität aufhören, sondern beim Aus- und Neubau von Fahrradwegen und öffentlichem Nahverkehr weitermachen!
Nachhaltige Wirtschaft
Eine nachhaltige Wirtschaftsweise kann sich in Unternehmen auf unterschiedliche Art und Weise zeigen – etwa in einer Reduktion des Energie- oder Ressourcenverbrauchs. Wer Unternehmen entdecken möchte, die sich im Vergleich zu ihren Mitbewerbern hervortun, kann sich etwa nach den Pionierunternehmen richten (“best-in-class-Ansatz”). Auch internationale Zertifizierungen, wie der ISO 14001 Standard und die EMAS-Verordnung der Europäischen Union erlauben es, die wahren Vorreiter einer Branche zu finden.
Pelze
Pelzprodukte gehören für viele Menschen, die sich mit Nachhaltigkeit und vor allem Tierwohl beschäftigen, zu Gütern, deren positive Effekte nicht die negativen Effekte rechtfertigen. Während Lederprodukten oftmals ihre Lebensdauer und Stabilität zugutegehalten werden, hat das Material Pelz keinerlei nennenswerten Mehrwert – abseits von Mode und Statussymbolhaftigkeit. Der wärmende Effekt durch Pelz kann durch alternative Produkte ebenfalls erreicht oder übertroffen werden. Dementsprechend werden Pelzproduktionen und -Händler von nachhaltigen Investments ausgeschlossen.
Umweltschädliches Verhalten
Egal wie lang die Liste von ökologischen KO-Kriterien ist: Keine Zusammenstellung kann alle umweltschädlichen Handlungen von Unternehmen abdecken. Daher muss es zusätzlich die Möglichkeit geben, umweltunfreundliches, wirtschaftliches Verhalten von einer Finanzierung auszuschließen – da bietet sich der “Platzhalter” negatives Umweltverhalten an.
Ökologische Landwirtschaft
Die Bodenpreise steigen stetig – ist es vernünftig, bei diesem “Spiel” mitzumachen? Die Antwort lautet: “Ja”! Mit der Hilfe von grünen Fonds können kleine Höfe, die einen Fokus auf regionale Wertschöpfung und umweltverträglichen Anbau gerettet werden. Ein Bio-Siegel auf den landwirtschaftlichen und dann weiterverarbeiteten Produkten ist sicher gern gesehen – doch ist es ein Muss? Wer gerade in der Umstellungsphase von einem konventionellen Hof zu einem Bio-Betrieb ist, und die entsprechenden Bio-Anbaumethoden nachweisen kann, sollte gerade in dieser Anfangsphase unterstützt werden.