Nachhaltigkeit erkennen

Um mit Deiner Geldanlage Gutes zu tun, musst Du natürlich auch Gutes finden. Heute scheint alles “nachhaltig” zu sein. Ist die Nachhaltigkeit einer Großbank die gleiche wie die von den Pionieren ethisch-ökologischer Geldanlagen? Nein. Es gibt eine Bandbreite über “leicht nachhaltigen” bis hin zu “stark nachhaltigen” Geldanlagen.

Unterschied in der Welt Unterschied beim Unternehmen
  • Um die Nachhaltigkeit zu bewerten, müssen wir herausfinden, ob das unterstützte Unternehmen selbst für mehr Nachhaltigkeit in der physischen Welt sorgt. Darüber erhältst Du auf dieser Seite einen Überblick.
  • Ob und wie Deine Anlageentscheidung beim Investierten Unternehmen einen Unterschied machen kann, erfährst Du auf unserer Seite zu Impact-Mechanismen von Geldanlagen.
  • Zudem sollte über Ausschlusskriterien geklärt werden, dass Deine Geldanlage nicht in Geschäfte verwickelt ist, die Du nicht mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst.

Anbietende checken: Ist das Kerngeschäft nachhaltig?

Unserer Meinung nach ist es sinnvoll, Anbieter:innen in Sachen Nachhaltigkeit zu vertrauen, die ausschließlich auf nachhaltige Geldanlagen setzen, sprich: ein nachhaltiges Kerngeschäft betreiben. So kannst Du eine indirekte Unterstützung kontroverser Geschäfte des Anbieters ausschließen. Dies kannst Du darüber hinaus über Ausschlusskriterien sicherstellen.

Hinweise auf Nachhaltigkeit der investierten Unternehmen

Wir geben Dir hier Werkzeuge an die Hand, woran Du die Nachhaltigkeit von Geldanlagen erkennen kannst. Leichter machst Du es Dir, wenn Du Dritten vertraust. Ansonsten recherchierst Du eben selbst.

Du kannst Dritten vertrauen:

➔ Was sagen die Siegel aus?

➔ Worauf achten wir selbst?

So kannst Du selbst recherchieren:

➔
Schau Dir unsere nachmachbare Recherche-Methode an.

➔ Mach Dich mit Impact-Mechanismen von Geldanlagen vertraut.

➔ Stöbere in Anlage-Kriterien.

➔
Lies vertiefende Storys zur Nachhaltigkeit.

Vergleiche Anlage-Kriterien mit unserer Check-Matrix.

▶▶ Check-Matrix laden und ausfüllen (PDF)

Mit der Check-Matrix kannst Du zu Berater*innen und Anbieter*innen gehen und die Nachhaltigkeit ansprechen. So findest Du heraus, ob Deine persönlichen Anforderungen an die Nachhaltigkeit erfüllt werden.

Artikel 8, Artikel 9 und Fondsnamen: Was sie bedeuten

Viele Fonds werben mit „Artikel 8“ oder „Artikel 9“. Das ist kein Gütesiegel. Die Einstufung nach der EU-Offenlegungsverordnung zeigt nur, wie ausführlich ein Anbieter über Nachhaltigkeit berichtet – nicht, ob der Fonds etwas bewirkt. Nach einer Studie der Universität Hamburg (2023) verfolgten nur rund 60 % von 1.000 untersuchten Artikel-9-Fonds tatsächlich eine wirkungsorientierte Strategie (Verbraucherzentrale NRW).

Seit dem 21. Mai 2025 gelten EU-weit Regeln für Fondsnamen: Wer Begriffe wie „nachhaltig“, „ESG“ oder „Impact“ im Namen führt, muss mindestens 80 % des Geldes passend anlegen und bestimmte Unternehmen ausschließen. Fonds mit Begriffen wie „Impact“ oder „Öko“ dürfen zum Beispiel nicht in Unternehmen investieren, die mehr als 1 % ihres Umsatzes mit Kohle oder mehr als 10 % mit Öl machen (ESMA-Leitlinien).

Wie viel ein Name bewirkt, zeigen Studien der Universität Augsburg: Fonds mit nachhaltigem Namen bekommen deutlich mehr Anlegergeld, und was der Anbieter selbst im Prospekt schreibt, beeinflusst Anleger stärker als externe Ratings (mehr dazu). Vorsicht auch bei Klima-ETFs auf „Paris-abgestimmte“ Indizes (PAB/CTB): Die EU-Mindeststandards lassen so viel Spielraum, dass auch Portfolios mit vielen nicht nachhaltigen Unternehmen sie erfüllen können. Schau Dir deshalb immer die größten Positionen eines Fonds an (mehr dazu).

Die EU-Kommission hat im November 2025 vorgeschlagen, die Offenlegungsverordnung zu vereinfachen und verständlicher zu machen (EU-Kommission). Beschlossen ist das noch nicht.

Was heißt das für Dich? Verlass Dich weder auf den Namen noch auf „Artikel 9“. Schau in die Anlagekriterien: Was schließt der Fonds aus, und wie will er etwas bewirken? Mehr dazu: Wie Geldanlagen wirken.

EU-Taxonomie: Was die EU als „grün“ einstuft

Die EU-Taxonomie ist ein Katalog, der festlegt, welche Wirtschaftstätigkeiten als ökologisch nachhaltig gelten. Für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel gilt sie seit Januar 2022, für die vier weiteren Umweltziele – Wasser, Kreislaufwirtschaft, Vermeidung von Verschmutzung und Artenvielfalt – seit Januar 2024 (Verordnung (EU) 2023/2486). Unter bestimmten Bedingungen zählen auch Atomkraft und Erdgas dazu. Das Gericht der EU hat diese Einstufung im September 2025 bestätigt und die Klage Österreichs abgewiesen (beck-aktuell).

Was heißt das für Dich? „Taxonomiekonform“ heißt nicht automatisch frei von Atom und Gas. Wenn Du beides ausschließen willst, prüf die Ausschlusskriterien des Produkts.

Was ist überhaupt “nachhaltig”?

Nachhaltigkeit kommt aus der Forstwirtschaft

Als Hans Carl von Carlowitz 1713 in seiner „Sylvicultura oeconomica” eine nachhaltige Forstwirtschaft beschrieben hatte, wollte er Schmelzhütten im Erzgebirge dauerhaft mit Holz versorgen können und wird nicht im Entferntesten an Geldanlagen gedacht haben. Es geht also darum, nie mehr Ressourcen zu entnehmen als nachwachsen.

Weltweite Beachtung kam mit dem Brundtland-Bericht 1987 auf das Schlüsselwort ‘Nachhaltigkeit’. In den 1990er-Jahren kam die soziale Dimension hinzu, in welchem sich das noch immer vorherrschende Drei-Säulen-Prinzip der Nachhaltigkeit etabliert hat:

  • Soziale Nachhaltigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Wirtschaftliche Nachhaltigkeit

So definiert, bedeutet Nachhaltigkeit, dass immer alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigt werden müssen.

Heute wird ebenfalls viel von ESG-Kriterien gesprochen. E steht für das englische Environmental (ökologisch), S für Social (sozial) und G für Governance, womit eine anständige Unternehmensführung gemeint ist. Viele Research- und Rating-Agenturen für Nachhaltigkeit arbeiten mit dem ESG-Ansatz.

In der Wissenschaft wird auch mit dem Konzept der planetaren Grenzen gearbeitet. Wenn es uns als Gesellschaft gelingen würde, innerhalb dieser Grenzen zu wirtschaften, dann wären wir nachhaltig.