Diesel-Urteil: Kommt nun Lösung oder geht die Abzocke weiter?

Diesel-Urteil: Kommt nun Lösung oder geht die Abzocke weiter?

Es ist entschieden: Städte dürfen Fahrverbote für Dieselautos verhängen, um Gesundheit zu schützen und EU-Stickstoffdioxid-Grenzwerte einzuhalten. Je älter das eigene Dieselauto in der Garage ist, desto unangenehmer überrascht dürften Eigentümer über das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes sein.

Wir stellen uns zwei Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Wie können wir in saubere Luft investieren?

Wie konnte es so weit kommen?

Unsere Bundeskanzlerin spielt das Problem herunter und versucht zu beschwichtigen:

"Es geht um einzelne Städte, in denen muss noch mehr gehandelt werden. Aber es geht wirklich nicht um die gesamte Fläche und die ganzen Autobesitzer in Deutschland.“

Natürlich geht es aber nicht um einzelne Städte, sondern um die Umsetzung einer umwälzenden Verkehrswende.

Überrascht sein kann sie nicht. Immerhin macht die EU wegen der Stickstoffdioxid-Belastung seit 10 Jahren Druck auf die Bundesregierung. Das Problem wurde eine Dekade lang ausgesessen. Offenbar hat die deutsche Automobilindustrie zu großen politischen Einfluss.

Verschont wurde die Autoindustrie beim letztjährigen “Dieselgipfel”. Statt sie zu Hardware-Nachrüstung zu verpflichten wurde ein Softwareupdate beschlossen, dessen Wirksamkeit bei Messungen im Realbetrieb widerlegt wurde. Zusätzlich wurde der Kauf weiterer Euro-6-Diesel Fahrzeuge mit einer Prämie subventioniert. Im gleichen Jahr hatte der VW-Konzern sein operatives Ergebnis auf 17 Milliarden Euro verbessert.

Der auf Tagesschau.de erschienene Kommentar von Marcel Heberlein attestiert ein „irres Politikversagen“:

"..wer sich anschaut, wie viel Schiss sie (die Bundesregierung) in den vergangenen Jahren vor den Autokonzernen hatte, der weiß, wer die Umrüstungen wahrscheinlich zahlen müsste: die Steuerzahler. Das wäre der nächste Skandal in der an Skandalen ja echt nicht armen Diesel-Geschichte.”

Wer sich jetzt auf eine „Blaue Plakette“ für neuere Diesel und Nachrüstungen für ältere Diesel beschränkt, der doktert an Symptomen herum. Vielmehr müssen wir die Diesel-Subventionen stoppen und öffentliche Verkehrsmittel attraktiver machen. Mit mehr Rad- und Fußwegen, zusammen mit ehrgeizigen Zielen für die Elektromobilität, können wir echte Alternativen schaffen, insbesondere wenn erneuerbare Energien flächendeckend “getankt” werden.  

Wer etwas bewegen will, darf sich nie auf politische Forderungen beschränken. Deswegen interessiert uns beim Thema der Luftreinheit, was jede und jeder selbst tun kann.

Wie können wir in saubere Luft investieren?

Wir müssen strategisch denken, um unseren Einfluss durch Investitionen geltend zu machen. Dazu gehört, dass alle Abgasquellen zählen und nicht nur alte Diesel. Diese Fahrzeuge sind nur die Spitze des Eisbergs der Luftverschmutzung.

1. Divestment aus fossiler Mobilität

  • Geld von Automobilherstellern abziehen, die an Verbrennern festhalten und nur erste langsame Schritte in Richtung Elektromobilität umsetzen.
  • Geld aus fossiler Energie abziehen.
  • Keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor kaufen.

2. Investment in saubere Luft

  • In reine Elektrofahrzeug-Hersteller investieren, die nicht auf Erträge aus dem Verkauf von Verbrennungsmotoren angewiesen sind.
  • In Elektroladesäulen mit erneuerbarem Strom investieren.
  • In öffentliche Verkehrsmittel investieren.
  • In erneuerbare Energien investieren.

Mehr dazu finden Sie in unseren Themenschwerpunkt „erneuerbare Mobilität“.

Hintergründe zur EU-Anforderung an gesundheitliche Risiken von Stickstoffdioxid finden Sie beim Umweltbundesamt.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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