Gehen Verbrenner so dramatisch wie Pferdekutschen unter?

Gehen Verbrenner so dramatisch wie Pferdekutschen unter?

Nicht politischer Wille, nicht die Einsicht der deutschen Autoindustrie, sondern die unbändig-dynamische Wucht des Marktes kann die Triebfeder für eine disruptive Ablösung von Verbrennungsmotoren durch Elektromotoren sein. Dies prognostiziert der amerikanische Analyst Tony Seba in seinem Buch “Saubere Revolution 2030”.

Können wir uns jetzt zurücklehnen und sagen: „Der Markt wird's richten“? Auf keinen Fall! Wir sind der Markt, und wir bestimmen mit unserer Nachfrage, unseren Investitionen und unseren Meinungen als “Herde” oder “Crowd” über das, was kommt und geht und wann es das zu tun hat.

Wenn aber der Stanford-Dozent recht behält, dann liegt eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Markt getriebenen, unbequem-rasanten Wandels in der Luft. Grund genug, sich mit seinen Hypothesen zu beschäftigen! Seba prognostiziert das Ende von Benzinern bis 2030.

Die Hypothesen des Tony Seba

Die Kosten für Elektroautos fallen ebenso schnell wie der Preis von Solarmodulen. Der billige Solarstrom verbilligt das Laden der Elektroautos und durch die doppelt durch Solaranlagen und Elektroautos steigende Nachfrage nach Stromspeichern senkt die Preise dergleichen.
Es gibt Fakten, an denen sich niemand mehr vorbeimogeln kann:

  1. Der Elektromotor ist fünfmal energieeffizienter als ein ‘fossiles Auto’ (Verbrenner)
  2. Das Elektroauto ist beim Aufladen zehnmal billiger
  3. Das Elektroauto ist zehnmal so billig bei der Instandhaltung
  4. Das E-Auto wird den Sekundärmarkt für Benzin-Autos radikal vernichten
  5. Kabelloses Laden wird kommen
  6. Das Elektroauto ermöglicht den konsequentesten modularen Aufbau
  7. Große Datenmengen und schnelle Produktentwicklung
  8. E-Autos können zu Speicherungen im Netz und anderen Dienstleistungen beitragen

Die mit Zahlen belebte Argumentation finden Sie im Buch, welches der Verein Metropolsolar Rhein-Neckar mit seinen Mitgliedern aus dem Englischen übersetzt hat. Auch mit konservativen Rechnungen bleiben Sebas Grundaussagen valide.

Disruption durch Geschäftsmodelle begünstigen

Energieblogger Andreas Kühl beschreibt lesenswert auf energynet.de “Innovative Geschäftsmodelle, die Solarenergie weltweit vorangebracht haben”. Es gibt also Geschäftsmodelle, welche  Disruption begünstigen, wie Crowd Investing oder Bürger-Energiegenossenschaften. Beispiele dafür gibt es in der Elektromobilität mit Sono Motors aus Deutschland, Uniti aus Schweden und beim Ausbau von E-Tankstellen durch die Inselwerke e.G.. Sie können also über nachhaltiges Investieren selbst eine Disruption begünstigen oder selbst ein Startup mit disruptivem Geschäftsmodell gründen.

Auch die Anbieter von Elektroautos können disruptive Geschäftsmodell-Innovationen in den Markt tragen: beispielsweise durch kostenloses Stromtanken macht sich Tesla extra attraktiv für seine Kunden. Wegen der einfachen Technik könnte sogar eine kostenlose Wartung und Pflege des Elektrofahrzeugs inklusiv angeboten werden.

Wer den Thesen glaubt, sollte divestieren

“Ich glaube nicht, dass die Einführung von Motor-Fahrzeugen jemals einen Einfluss auf das Reiten von Pferden haben wird,”

sagte Scott Montague 1903. Werden Deutsche Automobilkonzerne einen ähnlich überraschenden Umbruch wie der britische Abgeordnete erleben? Ende 2016 strahlte die ARD die Doku “Autoland abgebrannt” aus. Sie handelte von der dringenden Notwendigkeit des Technologiewandels in der Deutschen Autoindustrie.

Der Abschlussbericht des Schaufensters Elektromobilität attestierte Ende letzten Jahres den Stand der Dinge:

„Die deutschen Hersteller fokussieren sich auf Plug-in-Hybridfahrzeuge, während sie in der beliebten Mittelklasse noch gar keine reinen Elektroautos anbieten.“

Unserem Eindruck nach steckt die Verkehrswende bei der deutschen Automobilindustrie in den Kinderschuhen. Die Verzögerungstaktik wird den Konzernen und seinen Anlegern früher oder später auf die Füße fallen. Denken Sie, dass beispielsweise Chinas Dynamik oder das Silicon Valley auf Deutsche Autokonzerne wartet? Elektromobilität ist eine Riesenchance für neue Akteure, in den Pkw-Massenmarkt einzudringen. Noch kann für die Autowerker gehofft werden, dass Signale wie das Diesel-Urteil aufrütteln und zu baldigen Konsequenzen führen.

Dieser Artikel ist unser Beitrag zu der Blogparade “Disruptionen in der Energiewirtschaft” der Energieblogger.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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