Sind E-Autos der heilige Gral der Umwelt­verträglichkeit? – Nur mit Paradigmen­wechsel!

Öko-Bilanz gibt Auskunft über Umweltfreundlichkeit von E-Autos

Sind E-Autos der heilige Gral der Umwelt­verträglichkeit? – Nur mit Paradigmen­wechsel!

Die Öko-Bilanz gibt an, wie stark ein Produkt die Umwelt vom Beginn seiner Erzeugung über die Nutzung bis zur  Entsorgung belastet. Auf der Basis einer strukturierten Mengenerhebung von Input- und Output-Strömen erfolgt die Analyse, anhand derer alle Materialien, Stoffe, Energie, Produkte und Emissionen in einer Bilanz erfasst werden. Sie bildet die Umwelt-Einwirkungen eines Produkts innerhalb und außerhalb eines Unternehmens ab. Die Umweltbilanz gibt somit Auskunft darüber, wie umweltfreundlich letztlich ein Produkt wirklich ist.

Hier stellt sich die berechtigte Frage, wie es um die Öko-Bilanz von E-Autos bestellt ist. Unbestritten ist, dass E-Autos umweltfreundlicher und sauberer sind als ihre Kollegen mit einem Verbrennungsmotor. Doch ist das E-Auto wirklich der “heilige Gral” der Umweltverträglichkeit?

Altes Paradigma: stärker, größer, teurer

Mit Blick auf das aktuelle „Wettrüsten in der Tiefgarage“, wie der Beitrag der taz titelt, passiere genau das Gegenteil. Denn die Reichweitenjagd ginge zu Lasten der Öko-Bilanz der E-Autos. Sie verteuere zudem E-Fahrzeuge unnötig. Bleibt die Automobilindustrie hier ihrem „alten Paradigma – stärker, größer, teurer“ verhaftet? Der Artikel der taz meint dazu: „Elektroautos sollen den Verbrenner ersetzen, ohne an der Erotik des Zwölfzylinders zu kratzen.“ Rein äußerlich unterscheiden sich somit die neuesten E-Modelle der großen Automobilhersteller kaum von den gängigen sich bereits auf dem Markt anzutreffenden Fahrzeugmodellen.

Um den Unterschied wahrzunehmen, müssen schon Geruchs- und Gehörsinn eingeschaltet werden. Denn E-Autos bewegen sich sehr viel graziler, geräuschärmer und schadstofffrei über die Straßen. Das macht sie wesentlich angenehmer für den Verkehr und rechtfertigt ihren Austausch gegenüber Abgas produzierenden, stinkenden, lärmenden Verbrennern. D.h. in der Nutzung und in ihrem Betriebsverhalten (Interner Link) sind sie attraktiver als Autos mit Verbrennungsmotor. Aber ist ihre Öko-Bilanz deshalb schon „lupenrein und wasserdicht“?

Kritische Aspekte mit Blick auf die Elektromobilität Kritische Aspekte gibt es auch bei Elektroautos so einige. So verschlingen auch E-Fahrzeuge eine Menge Ressourcen, vielleicht nicht mehr ganz so viele wie die Verbrenner. Zwar kommen sie mit einem Bruchteil der benötigten Teile von Zulieferern aus. Doch für Motor und Batterieherstellung werden immerhin seltene Erden (Interner Link) benötigt, deren Förderung alles andere als umweltfreundlich ist. Pluspunkt für das E-Auto ist, dass die Förderung von Öl und Gas für seinen Betrieb entfällt, die ja alles andere  als umweltfreundlich zu bezeichnen ist.

Ein weiterer kritischer Aspekt ist, dass die Lade-Iinfrastruktur (Interner Link) sich noch im Aufbau befindet. Auch das Recycling (Interner Link) der Ressourcen funktioniert noch nicht umfassend, und um wirklich sauber zu fahren, braucht es ebenso sauberen Strom. Das bedeutet, es braucht deutlich mehr Ökostrom aus erneuerbaren Energiequellen. Doch selbst wenn all diese Faktoren berücksichtigt werden, wäre die Öko-Bilanz der E-Autos immer noch nicht so, wie sie sein könnte – hier muss ein völlig neues Paradigma her!  

Neues Paradigma

Die E-Mobilität kann ihre Vorzüge in Sachen „Umweltverträglichkeit“ nur wirklich dann ausspielen, wenn sie mit neuen, intelligenten Konzepten kombiniert wird. Doch solange, wie sich die Automobilbranche auf ein in die Jahre gekommenes Geschäftsmodell fokussiert, nämlich auf den Verkauf großer, reichweitenstarker E-Fahrzeuge, wird es in Sachen Öko-Bilanz nur kleine Fortschritte geben. Es sei denn, die Entscheider in der Automobilindustrie verabschieden sich von ihrem „alten Paradigma“. Andernfalls stehen die Chancen auch nicht schlecht, dass neue Player den Markt betreten, und damit ist sicher nicht nur Pionier und Vorreiter Elon Musk mit der Marke Tesla gemeint. Dass es bereits heute marktreife Lösungen gibt, welche die Mobilität von morgen bestimmen können, beschreibt der Artikel in der taz. Dass es solche Pioniere auch in Deutschland und Europa gibt, ebenfalls. Welche Rolle die Automobilindustrie in Deutschland zukünftig spielt bzw. spielen kann, das wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

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  • Ist die Automobilindustrie innovativ und fördert sie die Elektromobilität hinreichend ?
  • Welche Schritte sollte aus Ihrer Sicht die Automobilindustrie unternehmen, um die Elektromobilität in Deutschland voranzubringen?

Zum Beitrag der taz

 

Dr. Katja Reisswig

Geschrieben von Dr. Katja Reisswig

Dr. Katja Reisswig ist freie Redakteurin und Bloggerin. Sie hat das das branchenübergreifende B2B-Portal Technewable.com für die grüne Wirtschaft ins Leben gerufen. Sie schreibt über Themen rund um Nachhaltigkeit, Energiewende, grüne Innovationen und Technologien mit Blick auf Unternehmen, Start-ups, Forschungseinrichtungen und andere Akteure der Green Economy.

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