Megatrend Digitalisierung: Mehr Nachhaltigkeit durch Privatanleger?

Megatrend Digitalisierung: Mehr Nachhaltigkeit durch Privatanleger?

Inmitten des immensen, durch die Digitalisierung angetriebenen Wandels liegt die Frage auf der Hand, was sie für all diejenigen bedeutet, die mehr Nachhaltigkeit in der Welt sehen wollen. Weder ein Hype noch eine Hysterie ist angemessen, denn Digitalisierung ist weder ein Heilsbringer, der automatisch in eine nachhaltige Zukunft führt, noch ein Monster, welches keinerlei Chancen mit sich bringt. Vielmehr ist die Digitalisierung ein Megatrend, in den aus allen Richtungen gewaltiges Geld fließt, und der die Welt von morgen maßgeblich verändert. Wenn wir in diesen Veränderungen Nachhaltigkeit erleben wollen, dann müssen wir sie aktiv mitgestalten. Dafür haben wir Ihnen Chancen und Risiken der Digitalisierung zusammengefasst und geprüft, ob es konkrete Anlagemöglichkeiten gibt, die zu einer nachhaltigen Digitalisierung beitragen.

Digitalisierung nach dem Dschungel-Prinzip geht nach hinten los

Ohne Gestaltung birgt die Digitalisierung ernsthafte Risiken:

  • Der Energie- und Ressourcenverbrauch für das Internet und Gadgets ist immens. 2020 werden 52 Megatonnen Elektroschrott prognostiziert, das entspricht einem Schrotthaufen mit einem Volumen von 26 Millionen Pkw. Zehn Prozent des weltweiten Stroms wird durch Informations- und Kommunikationstechnologie verbraucht.
  • Digitalisierung kann durch Automatisierung zu großer Arbeitslosigkeit und einer raschen Zunahme prekärer Beschäftigung führen.
  • Damit klafft die gesellschaftliche Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander, was die Folgen soziale Verwerfungen verschärft.
  • Digitalisierung kann die bereits immense Überwachung zusätzlich intensivieren.
  • Sie führt zu weiterem Überkonsum, der durch noch perfekter individualisierte Werbung angeregt wird – bis die Masse ihn sich nicht mehr leisten kann.
  • Sie verstärkt die Monopolisierung und Machtkonzentration weniger Digital-Konzerne. Innerhalb der weltweit höchstdotierten Unternehmen kommen heute bereits sechs aus dem digitalen Bereich.

Nur wenn wir uns selbst innerhalb der eigenen Einflusssphäre als Gestalter sehen, können wir diese Risiken gemeinsam lindern und Chancen nutzen.

Chancen für Nachhaltigkeit durch gestaltete Digitalisierung

Für die Chancen haben wir eine tolle Quelle. Das Buch "Smarte Grüne Welt?" beschreibt neben einer politischen Agenda und Tipps für Konsumenten, welche Bereiche der Digitalisierung zugunsten der Nachhaltigkeit gestärkt werden sollten:

  • für die Verkehrswende einen vernetzten öffentlichen und nutzungsgeteilten Personen-Nahverkehr ermöglichen (ÖPNV und Sharing)
  • für die Energiewende smarte dezentrale Stromnetze (z.B. Micro Grids) und suffiziente Energiemanagement-Systeme z.B. zur Steuerung von Heizungsanlagen ermöglichen
  • für nachhaltigen Konsum Apps schaffen, die ihn erleichtern
  • für eine Re-Regionalisierung die regionale Vernetzung von Produzent*innen und Konsument*ìnnen unterschiedlicher Wirtschaftssektoren stärken
  • für eine dezentrale Gesellschaftsordnung die Entwicklung von Open-Source-Hard- und Software stärken

Kompass, um neue ethisch-ökologische Anlagefelder zu entdecken

Die Vermeidung der genannten Risiken und die konkreten Chancen durch Bereiche der nachhaltigen Digitalisierung sind der Kompass, mit dem wir ethisch-ökologische Anlagemöglichkeiten suchen.

Grundsätzlich finden wir neue ethisch-ökologische Anlagemöglichkeiten immer spannend, denn:

  1. Immer wenn es sinnvolle Trends gibt, dann wollen wir wissen, ob diese durch ethisch-ökologische Investitionen verstärkt werden können.
  2. Die Summe der wirklich nachhaltige Anlagemöglichkeiten muss größer werden, damit mehr Menschen nachhaltig investieren können. Das Angebot klassischer nachhaltiger Anlageprodukte auf Basis erneuerbarer Energien beispielsweise ist heutzutage leider deutlich geringer, als man es bei dem globalen Boom erwarten würde.

Welche Anlagemöglichkeiten für nachhaltige Digitalisierung gibt es?

Noch gibt es relativ wenige Anlagemöglichkeiten, die unmittelbar auf Nachhaltigkeit in der Digitalisierung einzahlen. Was Innovationen im Markt der nachhaltigen Investments angeht, entfaltet insbesondere das Crowdinvesting Stärke.

In bereits abgelaufenen Kampagnen haben die Smartphone-Hersteller Shift und Fairphone Wachstumskapital eingeworben. Beide bieten leicht reparierbare Smartphones an, deren Herstellung – soweit es machbar ist – nach ethisch-ökologischen Kriterien ausgerichtet wird. Auch der heute erfolgreiche Anbieter einer intelligenten Heizungssteuerung Tado, welche die Heizung nur dann anschaltet wenn man anwesend ist, hat seinen Anschub durch die Crowd erhalten.

Für MicroGrids gibt es aktuelle Investitionsmöglichkeiten auf bettervest für Elektrifizierung in Indien und auf Madagaskar. Auch Aktien wie die des Wechselrichter-Herstellers SMA stärken durch Digitalisierung die Dezentralisierung der Energiewende.

In Carsharing kann indirekt über Sono Motors investiert werden, da das Start-up das Teilen des Solarautos gleich mitorganisiert.

Alle Investitionen in erneuerbare Energien fangen den immensen Energiehunger des Internets teilweise auf.

Innerhalb der Start-up-Szene gibt es weitere hoffnungsvolle Ideen, für die jedoch noch selten Anlageprodukte für Privatanleger verfügbar sind – da muss man schon Venture Capitalist sein, um mitzugestalten. Andere Bereiche der nachhaltigen Digitalisierung eignen sich erst gar nicht für Geldanlagen, weil ihnen die Geschäftsmodelle fehlen. Eine offene Werkstatt, in der Sie beispielsweise Ihre Smartphones oder Laptops selbst reparieren können, ist zwar sehr nachhaltig, aber eher im Non-profit-Sektor tragfähig.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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