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EU will nachhaltige Investitionen. Was bedeutet dies für Sie?

EU will nachhaltige Investitionen. Was bedeutet dies für Sie?

In Brüssel kamen heute Staatschefs wie Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker oder auch der Milliardär Michael Bloomberg zusammen, um bei einer High-Level-Konferenz der Finanzierung nachhaltigen Wachstums Flügel zu verleihen. Mit dem Treffen soll ein satter politischer Rückenwind für den kürzlich vorgestellten “EU-Aktionsplan für eine umweltfreundlichere und sauberere Wirtschaft” geschaffen werden.

Hintergrund ist eine Finanzierungslücke: Um EU-Klimaziele für 2030 zu erreichen, müssen jährlich etwa 180 Milliarden Euro investiert werden.

Was für ein nachhaltiges Finanzsystem plant die EU?

Nach Angaben der EU-Kommission soll die Strategie den Klimaschutz und eine nachhaltige Entwicklung unterstützen. Begonnen wurde vor einem Jahr. Zunächst hatten Sachverständige Empfehlungen ausgearbeitet, wie der Finanzsektor zum Klimaschutz beitragen kann (Abschlussbericht). Aus diesen Ideen wurde nun die EU-Strategie für ein nachhaltiges Finanzwesen geschmiedet:

  • Die EU will Nachhaltigkeit definieren.

  • Die EU will ein Kennzeichen für „grüne“ Finanzprodukte erschaffen.

  • Die EU will klären, wie Vermögensverwalter und institutionelle Anleger zur Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien verpflichtet werden können und Offenlegungsvorschriften stärken.

  • Die EU will, dass Versicherungen und Wertpapierfirmen ihre Kunden zu Nachhaltigkeits-Präferenzen beraten.

  • Die EU will Nachhaltigkeit in die Aufsichtsvorschriften von Banken und Versicherungen einbeziehen. Sie prüft, ob eine Aufweichung der Kapitalanforderungen von Banken für nachhaltige Investitionen sicher genug ist und nicht das Finanzsystem insgesamt gefährdet.

  • Die EU will mehr Transparenz in Unternehmens-Bilanzen.

Während Stimmen aus der Finanzwirtschaft aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit vor Regulationen warnen, begrüßt Germanwatch den Plan. Er solle jedoch den Mainstream der Finanzwirtschaft stärker in die Pflicht nehmen. Christoph Bals von Germanwatch dazu:

“Ein solcher Ansatz kann nur wirkungsvoll sein, wenn er sich gerade auch auf die problematischen Investitionsklassen bezieht. Der Ansatz der EU-Kommission aber legt den Fokus auf die grüne Nische. Die zentralen Ziele können so nicht erreicht werden."

NGOs fordern mehr: Gemeinsame Empfehlungen zur systematischen Integration von Nachhaltigkeit im Finanzwesen. So sollten Klima-Risiken verpflichtend offengelegt werden und nicht – wie im Aktionsplan vorgesehen – zunächst nur freiwillig.

Was in dem Plan ebenfalls fehlt ist, dass die EU ihr eigenes Budget nachhaltig gestalten möge und mit Divestment beginnt.

Wie beim Klimaschutzabkommen wird nicht mit großen Worten gespart. So sagt Juncker:

“Nachhaltigkeit ist keine Nische, sondern muss das Finanzsystem von Morgen definieren!”

Und was bedeutet der Aktionsplan für Sie und mich,
die nachhaltig investieren wollen?

Die Erfahrung zeigt, dass die Mühlen langsam mahlen. Wie beim politisch halbherzig umgesetzten Klimaschutz macht es wenig Sinn, auf große politische Entwicklungen zu warten. Wir können genau jetzt nachhaltig investieren und dafür innerhalb unseres Umfeldes werben.

Natürlich ist es sehr begrüßenswert, wenn tatsächlich Bankberater und Versicherungsvertreter endlich auch auf nachhaltige Investments hinweisen. Eine ernsthafte Pflicht würde die Geldhäuser zu eigenen nachhaltigen Finanzprodukten motivieren, da diese schließlich mitverdienen wollen.

Um in der EU jährlich etwa 180 Milliarden Euro für Klimaschutz zu mobilisieren, wird mehr als nur der Finanzsektor gebraucht. In Deutschland beispielsweise ist der Ausbau erneuerbarer Energien dermaßen verkompliziert und gedeckelt worden, dass es zu wenig klimafreundliche Anlageprodukte gibt. Hier sitzen Privatanleger und institutionelle Anleger gemeinsam in einem sehr kleinen Boot. Steigende Nachfrage nach dem begrenzten Angebot bringt nur dann etwas, wenn den Anbietern der Zubau erneuerbarer Energien erleichtert wird.

Ein Kennzeichen für „grüne“ Finanzprodukte ist sehr gut, wenn es gut gemacht wird. Wichtig dabei sind die Nachvollziehbarkeit und die Vergleichbarkeit, um ein wirkliches Unterscheidungsmerkmal zu schaffen. Hoffentlich wird das Label im politischen Prozess nicht zu arg aufgeweicht. Denn dann kann das Label zu einem gigantischen Greenwashing verkommen.

Zum EU-Aktionsplan für eine umweltfreundlichere und sauberere Wirtschaft gelangen Sie hier.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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