Regionalwährungen: Geld kann fairer sein

Regionalwährungen: Geld kann fairer sein

Wenn wir unsere Wirtschaftsweise in der Absicht reparieren wollen, dass sie zukunftsfähig wird, dann braucht der Patient `Weltwirtschaft´ eine ausführliche Diagnose. Schließlich sind wir nicht angetreten, um an Symptomen herumzudoktern.

Mit in den Fokus der Untersuchung gehört nicht nur die zweifelsfrei unmittelbar wirksame Entscheidung, wofür wir unser Geld einsetzen, sondern darüber hinaus, wie die mannigfaltigen Finanzströme in unserer globalen Gesellschaft organisiert sind. Sobald wir im Finanzsystem destruktive Prinzipien erkennen, so gehören diese mit in den Fokus der Ursachenforschung und Behandlung des Patienten.

Eine solche destruktive Tendenz will Rupert Bader, gemeinsam mit seinen Mitstreiter*Innen in einem Forum der Augsburger Agenda 21 ausgemacht haben: Man kann Geld horten. Reiche werden immer reicher, während Arme kaum eine Chance haben, sich von ihrer Armut zu befreien. Der ehemalige Banker und Finanzberater erklärte mir in einem inspirierenden Gespräch den Lösungsansatz, der in den meisten Regionalwährungen Anwendung findet: Man erhebe eine Gebühr auf zurückgehaltenes Geld, das im Geldverkehrsfluss fehlt

Wie funktioniert ein Umlauf-Impuls im Geldsystem?

Rupert Bader:
"Ganz einfach: Wenn Geld mit einer Umlaufgebühr versehen wird,
verliert es wie jedes Gut an Wert."

Den Weg in die Praxis fand die Idee inmitten der ersten Weltwirtschaftskrise. In der österreichischen Gemeinde Wörgl führte Bürgermeister Michael Unterguggenberger ein solche Umlaufgebühr ein. Für Geld, das man nicht ausgeben wollte, musste zum Monatsende hin gezahlt werden. Zu Beginn der 1930er-Jahre blühte Wörgls regionale Wirtschaft erstaunlich auf, bevor die Österreichische Nationalbank dem Experiment einen Riegel vorschub.

Trägt ein Umlauf-Impuls zur nachhaltigen Entwicklung bei?

Rupert Bader erklärte mir, dass es bis zu 70 verschiedene Regionalwährungen in Deutschland gebe. Die meisten haben eine Umlaufgebühr.

"Wenn Du es nach einem Jahr nicht ausgegeben hast, verliert es an Wert."
Beispiel für Regionalwährung. Foto von Cschwerin [GFDL oder CC BY-SA 3.0 ], vom Wikimedia Commons

Im Ergebnis zirkuliere das Regionalgeld stärker und bleibe in der Region. Wir können also festhalten, dass das Medikament "Umlaufgebühr" bei Regionalwährungen regionale Wirtschaftskreisläufe stärkt. Vor Ort zu nutzen, was es vor Ort gibt, vermeidet unnötige Transporte und gibt der regionalen Wirtschaft eine gewisse Robustheit. Ob allerdings die regional gekauften Produkte und Dienstleistungen nachhaltig sind, bleibt damit allerdings offen. Viele Regionalwährungen werden in Vereinsform organisiert. In einer Vereinssatzung wäre es möglich, Nachhaltigkeits-Standards für seine Teilnehmer zu definieren.

Könnte eine Umlaufgebühr die Ressourcen-Übernutzung entschärfen?

"Es gibt kein Rezept, wo man einen Schalter umlegen kann und dann ist alles gut,"

erklärt Rupert Bader. Wenn Menschen vom Anhäufen hoher Geldbeträge abgebracht würden, dann kauften sie unter Umständen Immobilien, womit sich die Probleme rund um bezahlbaren Wohnraum weiter zuspitzen könnten. Eine Lösung für das Geldsystem müsse eine zusätzliche Antwort auf das Horten von Grund und Boden bieten.

Grundlegend für jeden Lösungsansatz sei die Ausrichtung unserer Wirtschaft:

"Wir müssen unser Wirtschaftsbild neu definieren. Wir brauchen ein neues Bild von einer gesunden Wirtschaft. Die Wirtschaft muss den Menschen dienen."

Würde es das vorherrschende Wachstums-Paradigma verändern?

Rupert Bader erklärte mir anhand eines Beispiels, wie sich das Wachstums-Paradigma wandeln würde. Wer heute 100 Milliarden Dollar auf dem Konto habe, dessen Vermögen werde heutzutage nahezu automatisch immer mehr und mehr. Würden auch die Superreichen jedes Jahr 5 Prozent ihres Vermögens abgeben, so führte dies nicht im mindesten zu deren Armut. Jedoch könnte von diesen Gebühren der Sozialstaat optimiert werden. Die Gemeinschaft hätte eine große Einnahmequelle, Umverteilung würde stattfinden.

Wir lernen also, dass die Medikation mit "fließendem Geld" zu einer Umverteilung führen würde. Es könnte also ein Medikament gegen auseinanderklaffende Arm-Reich-Schere sein. Damit rüttelt es an Machtstrukturen. Ein unmittelbares Geheimrezept für die nachhaltige Entwicklung aber ist es nicht, auch wenn es einen Teil der destruktiven Tendenzen im Wirtschaftssystem entschärfen könnte.

Wir bedanken uns für das Gespräch!

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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