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Treibhausgasbilanz 2017: Welche Investitionen JETZT für das Klima wichtig sind

Treibhausgasbilanz 2017: Welche Investitionen JETZT für das Klima wichtig sind

Eine gemeinsame Pressemitteilung vom Umweltbundesamt und Umweltministerium (BMUB) will unter dem Titel "Klimabilanz 2017: Emissionen gehen leicht zurück" ein Aufatmen verursachen. Schaut man auf die Werte der letzten Jahre, so dümpeln diese jedoch eher um geringfügige Abweichungen oberhalb von 900 Mio. Tonnen freigesetzter Treibhausgase herum.

Klassenziel gefährdet: 'blauer Brief' für 2020 in Sicht

Allgemein sprechen die Medien davon, dass die Ziele der Energiewende für 2020 verfehlt werden und noch keine eindeutige Abkehr von klimaschädlichem Verhalten zu erkennen sei. Dies gelte für die Politik ebenso wie für die Wirtschaft und die Verbraucher – also für jeden.

Trügerisch gute Noten für den Ausbau erneuerbarer Energien

Auf den ersten Blick klingt der Pressetext gut: 13,7 Mio. Tonnen weniger Emissionen als im Jahr zuvor sind immerhin minus 4,1 Prozent. Hier bläst die Windkraft erfolgreich zum Angriff gegen die fossilen Kohlekraftwerke. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will diesen Trend mit neuen Sonderausschreibungen noch kräftiger fördern. Reicht das wirklich?

Die wesentliche Frage hier aber ist, wie hoch der Rückgang der CO2-Emissionen und zugleich der Ausbau erneuerbarer Energien eigentlich sein müsste, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens erreichen zu können. Den Berechnungen von Prof. Volker Quaschning zufolge brauchen wir 100 % erneuerbare Energien in den nächsten 20 Jahren und nicht erst weit nach 2050. Der dafür nötige jährliche Zubau beträgt für die Photovoltaik 15 GW und die Onshore-Windkraft 6 GW. In 2016 wurden nur 1,2 GW Photovoltaik und 3,9 GW Windkraft an Land zugebaut.

Schlechte Noten für den Verkehrssektor

Die Ministerin bemängelt andererseits das Beharren der Verkehrspolitik auf dem Autoverkehr. Immer mehr Pkw, aber auch durch die gute Konjunktur bedingt Lkw, sowie die mangelhafte Infrastruktur bei Elektro-Tankstellen ergaben 2017 einen Anstieg der Emissionen um 3,8 Prozent. Svenja Schulze will für Klimaschutz und saubere Luft eine tiefgreifende Verkehrswende und kündigt das erste deutsche Klimaschutzgesetz an, um das Klimaschutz-Ziel für 2030 garantiert erreichen zu können.

Welche Investitionen können wir alle JETZT einbringen?

1. Nur in erneuerbare Energien investieren!

Nur wenn bis 2020 alle mehr als 30 Jahre alten Kohlekraftwerke vom Netz sind, lässt sich unser Klimaziel 2020 einhalten. Dann ist Strom aus Kohle halbiert. Wer dies begünstigen will, kann sämtliches Geld aus fossilen Energien abziehen (Divestment) und in Windkraft und Solarstrom investieren.

2. In die Mobilitätswende investieren!

Es kann auch anders gehen, als immer mehr Privatverkehr:

  • Bayerns Metropole München denkt bereits über ein Verkehrskonzept nach, das in London seit den 1970-ern erfolgreich läuft: kaum noch Privatautos in der City, dafür engmaschige öffentliche Verkehrsangebote.
  • Forcierter Ausbau der E-Tankstellen-Infrastruktur, wie es sie in den Niederlanden heute schon gibt, und damit Abbau der Hemmschwelle Reichweiten-Angst.
  • Konsequente Förderung der E-Mobilität wie in China.

Auch Anleger können in nachhaltige Mobilität investieren, beispielsweise in einen Solarauto- oder Eisenbahn-Hersteller.

3. In die Immobilien-Energiewende investieren!

Beim öffentlich, industriell, gewerblich und privat genutzten Immobilien-Bestand lässt sich flächendeckend eine Menge in Energieeffizienz und erneuerbare Energieträger investieren.

Investitionsmöglichkeiten in Immobilien beleuchten wir hier auf nachhaltig-investieren.com im Mai.

4. In energieeffiziente Unternehmen investieren!

Aktien und andere Beteiligungen nur an Unternehmen, die sich erfolgreich um ihre eigene Energieverbrauchs-Reduzierung sorgen und energieeffiziente Produkte liefern. In der Praxis ist es leider noch sehr schwierig, energieeffiziente Unternehmen zu identifizieren.

5. In klima- und naturverträgliche Landwirtschaft investieren!

Mehr als zehn Prozent unserer Klimagas-Emissionen steigen aus dem Landwirtschafts-Sektor auf: Massentierhaltung, Fäkalien-Überdüngung, Stickstoffdüngung und Abholzung natürlicher Kohlenstoffspeicher. Unsere Ernährungsgewohnheiten mit extrem hohem Fleischkonsum erfordern ein Umdenken: Nicht nur Geld investieren, sondern vor allem auch Gedanken, die in die Einsicht münden, dass wir unsere Lebensgrundlagen anderenfalls systematisch – und damit uns selbst – vernichten.

Wettkampfgeist ist gefragt: Wenn sich diese fünf Investments alle anstrengen, Klimaziel-Primus zu werden, hat jeder Einzelne von uns gewonnen.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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