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UBS will Vermögen nachhaltig verwalten. Was ist dran?

UBS will Vermögen nachhaltig verwalten. Was ist dran?

Das Asset Management der Schweizer Großbank UBS “wird durchgehend nachhaltig”, so titelt die Neue Zürcher Zeitung. Die Meldung klingt positiv und verspricht eine Umsteuerung großer Geldflüsse. Wie ernst ist es der Bank damit? Was genau verstehen die Schweizer UBS-Banker als “nachhaltig”? Die in dem Zeitungsbericht beschriebene Methode, wie die UBS Nachhaltigkeit umsetzen will, haben wir uns genau angeschaut.

So will UBS Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen

Ein eigenes Nachhaltigkeits-Rating mit Vertrauensvorschuss

Die UBS Vermögensverwaltung will in diesem Jahr Nachhaltigkeitskriterien in die Finanzanalyse integrieren. Angeblich werden diese dann von allen Aktien- und Obligationen-Analytikern des UBS Asset Managements verwendet. UBS will externe Nachhaltigkeits-Daten mit einem hauseigenen Nachhaltigkeitsrating verbinden.

Für jede Branche wird es Kriterien für die ‘normalen’ Analytiker geben – so UBS:

“Die normalen Analytiker der UBS sollen aufgrund dieser Anregungen auch prospektive Nachhaltigkeitsbeurteilungen zu den von ihnen betreuten Firmen bzw. ihren Aktien und Obligationen abgeben.”

‘Anregung/en’ heißt bei weitem nicht, dass die Nachhaltigkeits-Kriterien entscheidend für die Auswahl sind. Was mit den Beurteilungen der Analytikern passiert, ist unklar.

“Bisher, sagt der Leiter des Nachhaltigkeits-Research Christopher Greenwald, kauften die meisten Konkurrenten der UBS Nachhaltigkeits-Ratings von Drittanbietern wie MSCI oder Sustainalytics ein. Dieses Vorgehen habe aber zwei gewichtige Nachteile: Einerseits seien die Ratings vergangenheitsbezogen, indem bloß bereits publizierte Daten einberechnet werden und zum Beispiel erst frisch eingeleitete Strategiewechsel von Firmen noch nicht einflössen.”

Ein versprochener Strategiewechsel reicht offenbar für UBS, um als ‘nachhaltig’ zu gelten.

Ausschlusskriterien?

“Hatte nachhaltiges Investieren einst bedeutet, ‘unmoralische’ oder ‘unsaubere’ Unternehmen, wie Casinofirmen, Waffenhersteller, Erdölkonzerne o.ä., aus dem Anlage-Universum auszuschließen und allenfalls Mindererträge in Kauf zu nehmen, so geht man heute in den meisten Fällen differenzierter vor und hofft dabei sogar auf Mehrerträge.”

Im Artikel steht, dass Ausschlusskriterien undifferenziert seien. Ob UBS für sich etwas ausschließt, steht dort hingegen nicht geschrieben.

Nachhaltig ist für UBS, wenn es Profite fördert und Risiken meidet

Nachhaltigkeit wird laut Neuer Zürcher Zeitung bei UBS auf Gewinn-Entwicklung und Risikovermeidung reduziert:

“Ziel ist insbesondere das Eruieren von Firmen, bei denen aufgrund ihres Verhaltens in Sachen Nachhaltigkeit in Zukunft eine besonders gute oder eine besonders schlechte Gewinnentwicklung erwartet werden darf. Im Speziellen sollen besonders große Risiken aus den Portfolios ferngehalten werden. Dazu gehört zum Beispiel, Firmen zu umgehen, die teure Rechtsrisiken eingehen. Umgekehrt sollen Firmen bevorzugt werden, die durch Faktoren wie ein gutes Energiemanagement oder eine besonders weitsichtige Personalpolitik Kosten sparen.”

Weder transparent noch nachvollziehbar

Wer Nachhaltigkeit verspricht, sollte der Öffentlichkeit erlauben, den Wahrheitsgehalt seines Versprechens zu überprüfen. Ausschlusskriterien wären überprüfbar. Zu denen steht nichts in dem Artikel. Stattdessen wird von der Berücksichtigung von und der Anregung durch Nachhaltigkeitskriterien berichtet. Es gibt in dem Bericht nicht einen Hinweis darauf, wie überprüft werden kann, ob das undefinierte, also vage Versprechen der Nachhaltigkeit eingehalten wurde oder wie es in Zukunft nach den Vorgaben der UBS eingehalten werden kann. Wir wissen nicht, wie tief die Neue Zürcher Zeitung Einblick in die tatsächliche Methodik der UBS erhalten hat. Vielleicht gibt es Belastbares, von dem wir nichts wissen und von dem Kunden erfahren können oder auch nicht.

Wenn Sie nachhaltig investieren wollen, dann benötigen Sie Anbieter, die Ihnen genau sagen können, wie mit Ihrem Geld umgegangen wird, und wie Sie dies eindeutig überprüfen können. Ohne dies hat es den Duft einer unverbindlichen Marketingabteilung oder einer Placebo-Beruhigungstablette für das Gewissen.

Kilian Rüfer

Geschrieben von Kilian Rüfer

Kilian Rüfer setzt sich dafür ein, dass Finanzhebel von destruktiv auf konstruktiv gestellt werden. Der gelernte Mediengestalter und Ingenieur für erneuerbare Energien ist Energieblogger und betreibt die Kommunikationsagentur SUSTAINMENT.

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