Divestment: Keine “Kohle” für Kohle

Divestment: Keine “Kohle” für Kohle

“Raus aus der Kohle!” Diese Forderung der Divestment-Engagierten klingt zunächst klar und eindeutig. Angesichts des Klima-Abkommens von Paris könnte der Eindruck entstehen, dass die Zeichen der Zeit auf ihrer Seite sind. Um das 2°C-Ziel zu erreichen, darf nur noch eine bestimmte Menge von Treibhausgasen freigesetzt werden,und diese Menge wird aktuell rasant aufgebraucht. Was zu tun bleibt, wäre also, die fossilen Rohstoffe überhaupt nicht mehr zutage zu fördern. Aber trotz deren baldigem umwelt- und energiepolitischen Aus wird weiterhin unbeirrt  in fossile Energieträger investiert - wodurch die so genannte Kohlenstoffblase entstand.

Wer sicher gehen will, dass das eigene Investment nicht in den Abbau, Vertrieb und die Verarbeitung fossiler Energieträger fließt, sollte ‘grün’ anlegen. Denn die Investitionen in Kohle, Gas oder Öl sind nicht selten versteckt - etwa in Form von Aktienpaketen oder Fonds. Diese Investitionen sind nicht nur genauso umweltschädlich wie die schädlichen Energieträger selbst, sondern bilden auch ein ökonomisches Risiko: Denn wenn Ressourcen-Vorkommen, in deren Abbau als wertvolle ‘Bodenschätze’ bereits investiert wurde, unter der Erde verbleiben, kommt es zu deren erheblichem  Wertverlust, und die Kohlenstoffblase platzt.

Öffentlicher Druck durch Initiativen

Das eigene Geld “fossil-free” anzulegen ist eine Sache. Dafür zu sorgen, dass auch staatliche Pensionsfonds, Kirchen, Kommunen oder etwa Universitäten ihr Geld aus schmutzigen Investitionen abziehen, eine andere. Jede und jeder hat die Möglichkeit, sich mit selbst- und umweltbewussten Mitstreitern zusammenzutun und öffentlichen Druck auszuüben. Wir können laut “Stop” sagen und klar machen, dass Investitionen in Kohle & Co. für uns als die von deren Schädlichkeit betroffene Öffentlichkeit inakzeptabel sind. Dorothea Epperlein versucht genau das mit ihren Mitstreitenden von “Fossil Free Göttingen”. Die Gruppe will die Institutionen der Stadt zum Divestment bewegen und konnte bereits im letzten Sommer einen Erfolg verzeichnen. Damals lag der Stadt ein Antrag auf neue Anlage-Richtlinien vor, welche Kohle, Öl und Gas ausgeschlossen wissen wollten. Allerdings war dieser in Vergessenheit geraten. Fossil Free Göttingen lobbyierte dann für einen Ausstieg aus fossilen Anlagen - mit Erfolg: Der Finanzausschuss der Stadt Göttingen stimmte für Divestment.

“Jetzt arbeiten wir daran, dass auch die neuen Anlagerichtlinien der Uni Divestment enthalten,”

so Dorothea Epperlein. Da Göttingen eine der wenigen Stiftungs-Universitäten Deutschlands ist, verfügt sie über recht viel Geld, weswegen das Divestment hier einen deutlichen Einfluss hätte. Epperlein:

“Wenn alles gut läuft, sollte nächste Woche die Senatsentscheidung fallen.”

Ökologische Desinvestitionen: Eine internationale Bewegung

Gruppen wie Fossil Free Göttingen gibt es in vielen Städten in Deutschland, etwa Essen, Wernigerode, Hamburg oder Stuttgart. Auch international ist das Umschichten von Investitionen seit 2012 in vollem Gange - teilweise in großen Dimensionen. So ist etwa Norwegens Staatsfonds, der mit 835 Milliarden größte Staatsfond weltweit, aus der Kohle ausgestiegen. Inzwischen ist die  Divestment-Bewegung in 60 Ländern vertreten. In den USA haben über 40 Städte, wie San Francisco oder Seattle, angekündigt, ihr Geld aus Öl-, Gas- und Kohleunternehmen abzuziehen.

Divestment wirkt - das zeigt die Geschichte

Divestment als Weg um Druck auf moralisch fragwürdige Industrien aufzubauen, ist nicht unbedingt eine neue Idee - und damit gut erprobt. Gerade in den USA und in Großbritannien, wo auch öffentliche Institutionen auf Stiftungsgelder und Privatsponsoren angewiesen sind, sind proaktive Investitionsentscheidungen einen entscheidende Größe. Als etwa amerikanische Studenten in den Achtzigern ihre Universitäten dazu brachten, Geld aus Unternehmen abzuziehen, die das südafrikanische Apartheidregime unterstützten, verlor nach einer Weile sogar die südafrikanische Währung an Wert.

Unterstützung für Divestment-Initiativen

Wenn es darum geht, als Privatperson kein Geld in fossile Energieträger zu investieren, empfiehlt Epperlein die Informationen von Urgewald e.V., die Kohlegeschäfte von Banken aufdecken  und Alternativen empfehlen. Leitfäden zum Divestment gibt es bei Fossil Free Deutschland. Doch auch das Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. ist eine gute Anlaufstelle, um sich über Divestment zu informieren. Das Forum ist ein Zusammenschluss von knapp 100 Unternehmen und Organisationen, die sich für nachhaltige Geldanlagen einsetzen. Bei nachhaltig-investieren.com empfehlen wir Banken, bei denen es sicher ist, dass das Geld nicht in Kohle, Gas oder Öl investiert wird. Auch erfahren Sie bei uns, wie man Geld in erneuerbare Energien anlegen kann.


Marius Hasenheit

Geschrieben von Marius Hasenheit

Marius Hasenheit arbeitet am Think Tank Ecologic Institut. Freiberuflich ist er als Berater (strategischer) Kommunikation tätig. Gern schreibt er auch über Umweltthemen – hier bei nachhaltig investieren, bei Zeitungen wie Der Freitag oder Süddeutsche Zeitung oder dem transform Magazin, dessen Mitherausgeber er ist.

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