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Welche Renten­versicherungen sind nachhaltig?

Sinkende Renten-Erträge und die Angst vor Altersarmut bringt viele Menschen in Deutschland dazu, sich dem nicht schicksalhaft zu ergeben, sondern entsprechende Vorsorge zu betreiben. Sie schließen langjährige private Rentenversicherungsverträge ab. Mit diesen teils über Jahrzehnte laufenden Verträgen sichern Anleger*innen den Versicherungen eine stabile Ertragsbasis und Einnahmequelle. Auf Basis dieser werden wiederum Investitionen getätigt. Doch welche Rolle spielt hierbei die Nachhaltigkeit sowohl für Anleger*innen als auch bei den Versicherungs-Unternehmen? Inwieweit werden Nachhaltigkeits-Gesichtspunkte in den Anlagen berücksichtigt?

Ungeachtet dessen, dass es bislang nur sehr wenige nachhaltige Geldanlagen und Anbieter*innen gibt, herrscht eine große Unübersichtlichkeit im Markt vor. Es gibt keine klaren und verlässlichen Mindest-Standards für Verbraucher*innen. Für Anleger ist es kaum nachvollziehbar, was mit ihrem Geld geschieht. Aufgrund fehlender Transparenz bleibt Anleger*innen nur der gute Glaube und die Hoffnung, dass Investment-Entscheidungen von Versicherungen im Interesse der Anleger*innen erfolgen. Zugleich erschwert die unübersichtliche Lage im Markt eine eigenständige Suche nach nachhaltigen Geldanlagen.

Licht ins Dunkel von Geldanlagen und privater Altersvorsorge bringen, ist Anliegen einer bundesweiten Informationskampagne

Mit dem Projekt “Gut fürs Geld, gut fürs Klima” hat die Verbraucherzentrale Bremen im Rahmen des Förderprogramms “Innovative Klimaschutzprojekte” eine bundesweite Informations-Kampagne auf den Weg gebracht. Mit Leitfäden, Übersichten und Tipps will sie Verbraucher*innen helfen, Licht ins Dunkel zu bringen. Damit soll zum einen das Bewusstsein für die Bedeutung von nachhaltigen Geldanlagen geschärft und zum anderen das bereits bestehende Beratungsangebot zu nachhaltigen Geldanlagen bundesweit ausgeweitet und um den Bereich private Altersvorsorge erweitert werden.

Hier hat die Verbraucherzentrale Bremen jüngst einen Marktüberblick veröffentlicht, in dem 46 Anbieter*innen von privaten Rentenversicherungen mit Blick auf ihre Nachhaltigkeits- und Sozialstandards etwas genauer unter die Lupe genommen werden. Betrachtet wurden Nachhaltigkeits-Kriterien sowie die Berücksichtigung von Ausschluss-Kriterien für Investments.

Nur 2 von 46 privaten Rentenversicherungen haben nachhaltige Geldanlagen im Portfolio

Durch die Definition von Ausschluss-Kriterien soll sichergestellt werden, dass keine Gelder in Rüstung oder Kinderarbeit fließen. Doch nur in moralisch-verwerfliche Bereiche nicht zu investieren, heißt noch lange nicht „nachhaltig zu investieren“. Doch zunächst einmal zu den Ergebnissen. Hier zeigte die Untersuchung, dass etwa die Hälfte – 22 von 46 – aller betrachteten Rentenversicherungen mindestens ein Ausschluss-Kriterium anwenden. Investitionen in geächtete Waffen sowie Nahrungsmittel-Spekulationen waren die Kriterien, die am häufigsten Anwendung fanden.

Gleichzeitig bedeutet es, dass 24 der betrachteten Versicherungen noch nicht einmal das tun. Bei diesen fließt demzufolge Geld in Rüstung, Kinderarbeit, Lebensmittel-Spekulationen, Menschenrechtsverletzungen, Glücksspiel, Pornographie, Atomkraft, ja selbst in Geschäfte mit Landminen und Streumunition, um nur eine kleine Auswahl der Ausschlusskriterien zu benennen. Gerade einmal zwei der 46 Versicherungen wenden umfangreichere ethisch-ökologische Standards an. Diese müssen an dieser Stelle besonders hervorgehoben werden. Das sind die Familienfürsorge und die Concordia oeco, allerdings ausschließlich mit ihrer Produktlinie „Leben oeco“. Die Informationen zu diesen beiden Versicherungen waren leicht zugänglich.

Viele Versicherer lassen sich nicht in die Karten schauen - Informationen sind schwer zugänglich

Ganz anders hingegen sah es bei vielen anderen privaten Rentenversicherungen aus. Hier zeigte sich die Informationsbeschaffung für die Bremer Verbraucherzentrale alles andere als leicht. Bei 20 Versicherern bekam die Verbraucherzentrale Bremen „keine aussagekräftigen Informationen zu ihren Nachhaltigkeitsstandards“. Selbst große Versicherungen gaben trotz Nachfragen keine Auskunft darüber, inwieweit die Anwendung von Nachhaltigkeitsstandards bei ihren Investments eine Rolle spielen.

Hier zeigt sich, dass es zum einen großen Nachholbedarf hinsichtlich der Etablierung von allgemein verbindlichen Nachhaltigkeits- und Sozialstandards gibt. Zum anderen braucht es ein stärkeres Bewusstsein seitens der Anleger*innen sowie mehr Transparenz und leicht zugängliche Informationen seitens der Versicherer.

Zur Studie auf geld-bewegt.de von der Verbraucherzentrale Bremen.


Stand: 01. Februar 2018.